Buch basiert auf Experimenten. Es schildert Vernderungen der Psyche unter dem Einflu von LSD. Di

LSD hebt grundstzlich auf ein neues Erlebnisplateau, aber jeder Mensch hat ein anderes Erlebnisplateau, so da die experimentellen Ergebnisse nicht durchweg zu generalisieren sind. Es lassen sich jedoch Verlaufskurven aufstellen, die sich auf die jeweilige Rauschtiefe beziehen. In die verschiedenen Phasen dieser Kurven lassen sich einige allgemeinverbindliche Merkmale eintragen, wobei bercksichtigt werden mu, da es sogenannte normale Dosen nicht gibt, weil konditioneile und konstitutionelle Umstnde hineinwirken, womit der physische Status des Probanden, seine seelische Gestimmtheit und die Umweltbedingungen gemeint sind. LSD setzt im Gegenteil Normen auer Kraft, denen der Knstler oft folgt, ohne sich dessen bewut zu sein, ebenso lassen sich die bildnerischen Darstellungen unter LSD in das Normengebude des jeweiligen Betrachters nicht einpassen.
Wenn hier vom Knstler die Rede ist, so bezieht sich das auf das Kreative im weitesten Sinne: sei es determiniert durch eine individuelle, formalsthetische oder gesellschaftliche Produktivitt. Der Maler stellte sich als Proband zur Verfgung, weil seine Mittel der optischen Darstellung von Erlebtem am differenziertesten ausgeprgt sind. Es wird also nicht ber sthetische Verhaltensweisen befunden, noch wird der http://datasprint.eu/de/dateneingabe-dienstleistung/ - hier
- Versuch unternommen, neue Kriterien des sthetischen herzustellen. Die optischen Protokolle haben in jeder Phase ihre eigene Bedeutung im sensorischen und rationalen Bezug. Kompakte Prozesse knstlerischer und psychischer Produktion werden durchschaubar.
Unter dem Einflu von LSD wird die scheinbare Einheit knstlerischer Akte und der Reflexion darauf zunchst zerbrochen, in ihre Teile dissoziiert: die Anschauung oder Phantasie, die Vorstellung, das knstlerische Konzept, der technische Malakt, die
fertige Darstellung, deren Rckwirkung auf den Knstler und die Wirkung auf den Betrachter sind als getrennte Phnomene erkennbar und nachprfbar. Die Mutation knstlerischer Impulse ist verfolgbar. In das gesunde Unbewute wird Einblick gewonnen, ebenso wie in das Psychotische als eine Verselbstndigung der Affekte. Der unter LSD sich vollziehende Proze dient dem Mediziner als Modell-Psychose. Auf dem Hhepunkt dieses Prozesses sind psychotische Merkmale ausgeprgt.
Das Erlebnisplateau wrde sich in dieser extremen Phase entscheidend wandeln. Durch einen psychotoxischen Proze, eben die Einwirkung des LSD auf den Organismus, entsteht ein Verschmelzungsphnomen, das wir als Magisches Malen bezeichnen wollen. Es ist an die Stelle des sogenannten knstlerischen Bewutseins getreten und bedeutet eine unreflektierte Identitt von Vorstellung und Dargestelltem unter weitgehendem Negieren der Auenwelt. Das subjektive Moment, die individuelle Erlebnisbahn, hat gewissermaen einen Hhepunkt erreicht und zugleich sich selbst als nicht mehr kommunizierbar ad absurdum gefhrt. Die Durchleuchtung individueller Vorgnge in ihren sonst nicht fabaren Modifikationen sowie authentische Protokolle, verbal und bildlich dargestellt, sind Basis und zugleich erklrtes Ziel des Folgenden: Erkundungsgnge im Unbewuten.
Die experimentelle Psychose unter dem Einflu von LSD ist medizinisch fabar als diffuse Erregung des Zentralnervensystems, primr des Gehirns. Die auslsenden Reize treffen mit zunehmender Geschwindigkeit ein und bewirken eine Erregung bestimmter Hirngebiete. Neue Verbindungswege ffnen sich, alte werden ungangbar; die neuen Erregungsstrme flieen zusammen, und bekannte psychische Krfte versiegen. Unmittelbarer Ausdruck dieser Erregungen sind bestimmte Erlebnisqualitten, eben die Phnomene des LSD-Rausches, die in ihrer Gesamtheit das jeweilige Erlebnisplateau darstellen. Verbildlichen wir uns dieses Plateau als eine Bhne: viele Schauspieler, verschiedene Charaktere agieren auf ihr; neue Spieler treten auf, mal steht dieser, mal jener Protagonist im Vordergrund. Einzelne erkennen wir wieder, andere sind fr uns rtselhaft. Diese Erlebnisebene verschiebt sich stndig. Gefhle mutieren, geraten durcheinander und lsen sich; akustische und optische Wahrnehmungen verndern sich, das Raum- und Zeitempfinden variiert.
Die Psyche ist in der Lage, die durch das LSD aktivierten Regungen zu verarbeiten, das heit einem gestaltbildenden Prinzip zu unterwerfen. Diese Steuerbarkeit reicht indes nur bis zu einem gewissen Erregungsgrad, der von der LSD-Dosis und der seelischen Ausgangslage abhngt. Von einer bestimmten Reizstrke an brechen die gestaltbildenden Krfte der Psyche zusammen. Die Erregungen zeigen sich dann nicht mehr als Reaktionen, die im Zusammenhang mit der Persnlichkeit des Probanden ohne weiteres verstndlich sind. Extreme Affekte berfluten die brigen Regungen - wie auf einem zu schnell abgespulten Film, dessen einzelne Phasen der Betrachter nicht mehr isolieren kann. Es liegt nahe, diese extremen Verlaufsformen mit Psychosen wie der Schizophrenie oder dem sogenannten manisch-depressiven Irresein zu vergleichen. Fr solches Out- flippen (so der Jargon) lassen sich im nachhinein die mutmalichen Anlsse rekonstruieren, wie etwa familire oder berufliche Belastungen, pltzliche seelische Erschtterungen whrend des Versuchs, vielleicht auch das Ausbrechen einer zuvor latenten Neurose oder Psychose. Absicherungen gegen extrem psychotische Verlufe sind nicht mglich.
Solche Verlufe blieben als rein medizinische Sachverhalte fr meine mehr sthetisch intendierten Versuche auer Belang. Ich hatte es stets mit einem normalen oder quasinormalen Verlauf zu tun. Mgen auch von Person zu Person, von Versuch zu Versuch und selbst innerhalb eines Versuchs die Erlebnisphasen wechseln, so ist der Funktionswandel der Psyche doch stets durch die folgenden, sogenannten Basissymptome gekennzeichnet: Gesteigerte Affektivitt,
Bewutseinsvernderung,
Denkregre.
1 Vernderung der gestaltbildenden Krfte
a Gesteigerte Affektivitt
Alle Rauschmittel haben ein Gemeinsames: sie wirken sich auf die Affektivitt aus, steigern die Gemtserregbarkeit. Der Gefhlsbereich wird angehoben, die Handlungsimpulse gehen zurck. Bei fast allen Rausch-Prozeduren treten gegenstzliche Stimmungsreize auf, Kontrastpaare wie Heiterkeit und Gedrcktheit, Euphorie und Depression, Gereiztheit und Friedfertigkeit, Minderwertigkeitsgefhl und Hybris, Lockerheit und Gespanntheit, Sicherheit und Bedrohtsein etc. Das vernderte Ich-Gefhl unter LSD ist nicht nur als Folge besonderer, ins Abnorme gesteigerter Erlebnisweisen aufzufassen, die eine Existenzerschtterung zur Folge haben, sondern als autonome toxische, das heit medikaments bedingte Stimmungserregung. Sie kennt einen unbegrenzten Reichtum gefhlsmiger Schattierungen, die bald als begeisternd und emportragend, bald als bengstigend und niederdrckend empfunden werden. Emotionale Reaktionen treten im Allgemeinen als eine proportionierte Skala von Empfindungen auf. Nur in Ausnahmesituationen verstrken sich die einzelnen Komponenten zum beherrschenden Affekt: Wenn einer starr vor Angst ist, hat sich der Bestandteil Starre des Gefhls Angst dominant und alles andere ausschlieend hervorgehoben. Unter LSD erleben wir die einzelnen Faktoren, zum Beispiel die Starrheit oder auch Gelstheit, Heiterkeit, als selbstndige, auf keinen Anla mehr bezogene Grundstimmung. Wir wundern uns vielleicht ber sie, erleben sie als einen Film, der scheinbar nichts mit uns zu tun hat. Geheimste Winkel rhrenden Sentiments stehen elementaren emotionalen Krften gegenber; in den extremen Tiefen eines Rausches werden vergessene Bereiche des Archetypischen und Magischen berhrt.
Eine charakteristische Stimmung des LSD-Rausches ist die Euphorie. Oft entznden sich an Gegenstnden, an Geruschen, an Gesprchsfetzen Heiterkeitsausbrche, die durchaus nachvollziehbar sind und sogar auf den Beobachter ansteckend wirken. Das Groteske, Parodistische tritt hervor. Ein Proband im LSD-Rausch setzte sich zu Tisch und beschrieb seine Empfindungen:
Ich lachte ber die groteske Gesellschaft. Sie schmatzten, schnulzten, die Augen quollen ihnen hervor; ich mute herzlich darber lachen, da sie Speisen, die knallig gefrbt waren wie in der Pop-Art, habgierig in den Mund schoben. Ja, ich bog mich vor Lachen, es schien ansteckend zu wirken. Alle starrten mich an; wir waren in der frhlichsten Gesellschaft, aber offenbar war ich selber der Anla fr diese Heiterkeit.
Heiterkeit wurde hier zur Euphorie. Sie ist dem Anla nicht mehr gem, sondern affektreich berladen. Solche Affektausbrche knnen auch spontan auftreten, ohne Bezug auf